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as Bundeslager im Nördlinger Ries - „Der Freiheit so nah“ (23.07. - 03.08.2008)

Dieser Bericht von www.bula-cpd.de/blog erschien am 11.04.2009 um 18:09 Uhr.

Dieses Jahr fand also das Bundeslager endlich statt. In den Stämmen des Gaus war die Vorbereitung seit Wochen auf Hochtouren gelaufen… Mit dabei waren Staufen, Ba-denweiler, Heitersheim, Ettenheim, Seelbach und Diersburg, also praktisch der ganze Gau. Selbst die Lahrer, die nicht teilnehmen konnten hatten sich am Holzschlagen be-teiligt und so war unser Gau auf dem Bundeslager bestens vertreten.

Tag 1: Anreise und Aufbau

Nun war es endlich soweit. Das Bula hatte begonnen. Aus allen Bundesländern Deutschlands kamen die Pfadis zusammen. Die meisten Schlafzelte standen am Abend schon. Zum ersten Mal wurden die Sitzringe der Unterlager eingeweiht. Nach dem Abendessen mit Maultaschen gabs dann kurz noch eine Einweisung durch die Unterla-gerleiter. Und um halb zehn wurde dann zur Abendwache gerufen und so der Tag ab-geschlossen. Danach erklangen noch aus dem ein oder anderen Zelt die lang ersehnten Pfadilieder und das ein oder andere Feuerchen schimmerte hervor.

Tag 2: Eröffnung und Baumeistertag

Es ging um halb sieben aus dem Schlafsack. Der komplette Bund mit über 1600 Teilneh-mern traf sich zur Eröffnung auf der Wiese vor dem Lager. Gemeinsam mit dem Bürgermeister, dem Landrat, dem Förster und dem zuständigen Bauern wurde das Lager eröffnet. Anschließend fand ein gemeinsames Frühstück auf dem Platz statt. Dann wurde den ganzen Tag über gebaut um beim Baumeisterwettbewerb einen guten Platz zu erringen.

Tag 3: Lebenswege

“Ihr lebt doch in eurer eigenen Welt!”, tja ja, in der Tat ein Vorwurf den man als Pfad-finder ziemlich oft zu hören bekommt. Auch wenn vielleicht ein Funken Wahrheit darin liegt, so sind dennoch auch wir Pfadfinder ins restliche Weltgeschehen verstrickt. Um dieser Tatsache gerecht zu werden, ging es für das Lager heute raus in die Umgebung, zu Menschen und ihrer Lebensrealität. Die Gruppen konnten sich dafür in die Bereiche “Soziales”, “Umwelt” und “Religion” aufteilen. Die Projekte waren dabei so zahlreich wie die teilnehmenden Gruppen: Vom Müllsammeln am Seeufer über das Singen für bedürftige Menschen in Nördlingen bis zum Besuch einer psychiatrischen Klinik ist alles dabei.
So wird dieser Tag hoffentlich dabei helfen, unseren Mikrokosmos zu durchbrechen und in die Weiten des Weltalls zu gelangen.

Tag 4: Besuchstag und Gildentag

Heute war Besuchstag. Zahlreiche Eltern, Verwandte, Bekannte, Freunde und Anwohner nahmen die Gelegenheit war einmal das Bula direkt mitzuerleben. Die Lagerteilnehmer konnten sich während dem in verschiedene Gilden verteilen und dort interessante Dinge vom Gitarrenkurs, über Pechfackeln, Freundschaftsbändchen, Angeln usw. lernen oder ausprobieren.
Kurz vor dem Abendessen wurden wir von einem Gewitter mit Sturm und Regen überrascht. Durch den böigen Wind wurde die ein oder andere Zeltplane zerrissen oder umgeweht. Aber wir hatten Glück, so dass niemand etwas passiert ist und alle einigermaßen trocken das Unwetter überstanden.
Abends fanden die Gauabende statt, so dass aus jeder Lagerecke Geschrei, Musik und Programm tönt.

Tag 5: Stadtspiel in Nördlingen

Heute Morgen nach dem Frühstück ging es los. Die Busse rollten wieder einmal auf das Lager, um die komplette Mannschaft nach Nördlingen zu fahren. Das Stadtspiel stand auf dem Plan. Es galt für jede Sippe verschiedene Aufgaben und Fragen in der Stadt und über die Stadt zu lösen.
Tag 6: Start des Hajks

Heute beginnt das zweitägige Hajk. Bevor es aber los ging wurde die Großbaute die Kathedrale mit einem Gottesdienst eingeweiht. Alle Sippen sind mit ihren Part-nersippen in der Umgebung unterwegs und werden in zwei Tagen wieder auf das Lager zurückkehren.

Tag 7: Hajk

Im Lager tat sich kaum etwas. Letzte Vorbereitungen für die Spielidee wurden ge-troffen und die letzten Bauten vervollständigt. Im kompletten Nördlinger Ries kann man überall kleine Pfadfindergruppen beim Hajken antreffen.

Tag 8: Start der Spielidee

Heute kamen alle Gruppen zur Mittagszeit zum Lager zurück. Nach der Mittagspause hieß es dann raus aus den Pfadfinderklamotten und rein in die Verkleidung als Bauer, Nonne oder Adliger. Hans Böheim sammelte die Bauern unter sich und stachelte zur Revolution auf. Leider wurde er vor den Toren der Stadt von den Städtern gefangen genommen und soll heute noch geköpft werden. Auf beiden Seiten köchelt die Stimmung und die Bauern wollen die Schmach der Obrigkeit nicht länger ertragen.

Tag 9: Markttag

Bereits in den frühen Morgenstunden machten sich alle auf, um rechtzeitig ihren Stand auf dem Markt zu beschicken. In der Stadt wurden alle möglichen Dienstleistungen, vom Friseur bis zum Messerschleifer angeboten. Außerdem eröffneten zur Mittagszeit zahlreiche Schenken und Marktstände, bei denen man sich den Bauch voll schlagen konnte. Ein schöner heißer Markttag, an dem man alles bekommen konnte, was ein Bauer, Adliger, Bürger oder Geistlicher benötigt. Abends wurde dann der Geheimbund der Bauern gegen die Stadt, der Bundschuh gegründet.

Tag 10: Die Drucker von Weinsberg

Es gärt in den Bauerndörfern. Am Vorabend ging der gefürchtete Heerführer des Gra-fen, der Georg Truchseß von Waldburg, in ein jedes Dorf, um dort die Erhöhung der Abgaben zu verkünden. Für den geplanten Feldzug zur Vergrößerung der Grafschaft wurden außerdem alle Knaben ab dem 14. Lenz zur Armee eingezogen. In Allstedt fand eine Hochzeit statt, die ein vorzeitiges Ende fand. Nach altem Recht soll die Braut in der Hochzeitsnacht vor ihrem Ehemann zuerst dem Lehnsherrn gefügig sein.
Um das Joch der Unterdrückung abzuschütteln, wurde unter einem mutigen, jungen Bauern namens Joß Fritz ein Geheimbund, der sogenannte Bundschuh gegründet. In einer geheimen Sitzung beratschlagte das Bauernparlament mit Vertretern aus jedem Dorf über das weitere Vorgehen. Am Ende wurde beschlossen, sich am nächsten Mor-gen in Weinsberg mit anderen Bauern zu treffen, um ein politisches Manifest auszuar-beiten, das man der Obrigkeit in Verhandlungen vorlegen kann.
Gleichzeitig versucht der Adel, den aufkeimenden Widerstand im Keim zu ersticken. Die Strategie soll sein, die bäuerliche Abgabenlast weiter zu erhöhen, um ihnen überhaupt nicht die Zeit zu lassen, auf aufrührerische Ideen zu kommen.
So kommt es, dass das ganze Lager auf den Beinen ist. Es wird Papier geschöpft, ein Drucknegativ aus Linoleum gepuzzelt & geschnitzt, Urkunden gedruckt und dann noch mit dem offiziellen Siegel der Grafschaft beglaubigt.
Mit den frisch gedruckten Dokumenten zogen nun die Stadtbewohner und die Bauern aufs freie Feld. Dort wurden die Forderungen unter großem Tumult gegenseitig vorges-tellt. Natürlich konnte keine Einigung erzielt werden – Die Stimmung kochte.

Tag 11: Geländespiel, Abschlusskampf und Abschlussabend

Bereits am Abend zuvor wurde das Geländespiel zum ersten Mal erklärt. Das ganze Spiel hier zu erklären würde daher den Rahmen des Chronik sprengen. Kurz gesagt, es mussten verschiedene Dinge von A nach B gebracht werden, es gab verschiedene Charaktere und die Städter kämpften gegen die Bauern. Anstatt der üblichen Lebensbändel setzte pinky das Wäscheklammersystem ein, so mussten also um den Kampf zu gewinnen jeweils die Wäscheklammer vom Gegner irgendwie entfernt werden. Anschließend kam es zum Endkampf auf dem Lager bei dem die Bauern gewannen. Letztendlich versöhnten sich aber die Städter und die Bauern miteinander in einer Zeremonie in der Kathedrale und zogen danach gemeinsam zum großen Festmahl um die Feuerstelle vor dem Lager. Das Feuer brannte lange und warm und es wurde bis zum Morgengrauen bzw. bis zum Start des Abbaus gesungen, getanzt und gefeiert.

Tag 12: Abbau und Abreise

Nach einer kurzen Nacht wurde dann am Morgen ab 5 Uhr abgebaut. Innerhalb von wenigen Stunden war die Zeltstadt, welche wir mittlerweile als Heimat gewonnen hatten, wieder Wiese. Irgendwie ist das schon traurig, da entstanden kleine Wege, man wusste mittlerweile, wo man wen findet und wo man was bekommt und wie man was bekommt. Wir waren 12 Tage der Freiheit so nahe, weg von allen Zwängen, glücklich und frei in der Natur. Alles war anders, wir hatten unsere eigene Welt, unser eigenes Dorf mit allem was man benötigt um glücklich zu sein. Dies alles ist jetzt wieder vorbei. Aber trotzdem wird es in unseren Köpfen bleiben und wir nehmen und lernen sehr viel von diesem Lager. Und genau hier sollte man dem Sprichwort folgen: ” Man soll dann gehen, wenn es am besten ist”. Und genauso war es. Schade nur, dass wir vier Jahre warten müssen, bis unser nächstes Dorf für zwei Wochen zusammenkommt.
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